Der Schlossherr als Gärtner: Verbandsportdirektor Lars Weibel wird Sportchef in Ambri
Früher, als Paolo Duca noch Sportdirektor in Ambri war, hat er einmal über seine Arbeit gesagt: «Es ist ein ständiger Kampf. Wir haben nur eine Chance, wenn alle jeden Tag alles geben. Diese Kultur, diese Leidenschaft muss tagtäglich gepflegt und vorgelebt werden. Das Aushandeln von Verträgen und Transfers ist nur ein Teil dieser Arbeit. Noch wichtiger ist es, täglich dabei zu sein, Gespräche zu führen, zu motivieren oder auch mal zu intervenieren.»
Der Sportchef in Ambri ist also der Gärtner, der diese ganz besondere Kultur jeden Tag hegt und pflegt, «jätet» und wässert. Eine Arbeit für 24 Stunden am Tag. Und wenn die Zeit nicht reicht, dann muss auch noch in der Nacht gearbeitet werden…
Paolo Duca hat diese Kultur wie keiner seiner Vorgänger vorgelebt oder – wie seine Bewunderer sagen – Ambri geatmet, gegessen, getrunken. Bis er nach dem «Hochverrat» durch seinen Präsidenten zusammen mit Trainer Luca Cereda im Herbst sein Amt niedergelegt hat.
Gibt es einen zweiten «Gärtner» für Ambris Kultur wie Paolo Duca? Nein, gibt es nicht. Also hat Präsident Filippo Lombardi – für einmal diskret – einen Nachfolger rekrutiert, der gegensätzlicher nicht sein könnte. Lars Weibel.
Seine Hockey-Kompetenz steht nicht zur Debatte. Das internationale Beziehungsnetz auch nicht. Und Sprachgewandtheit und Kommunikationstalent schon gar nicht. Weibel ist in einem gewissen Sinne die Büro-Version von Nationaltrainer Patrick Fischer. Als Torhüter hat der ehemalige Lakers-Junior auf einer Tour de Suisse mit Stationen in Rapperswil-Jona, Biel, Lugano, Davos und Zug die Sitten und Bräuche, Land und Leute im helvetischen Hockey-Kosmos kennengelernt. Und als Verbandsportdirektor ab 2019 auch die grosse, weite Welt bis hinüber nach Amerika.
Paolo Duca war der Gärtner Ambris. Nun kommt mit Lars Weibel der Schlossherr, der andere im Garten arbeiten lässt. Kann das gut gehen? Die entscheidende Frage ist, ob der neue Sportdirektor dazu in der Lage ist, einen Trainer zu finden – oder besser: ein ganzes Coaching-Team zusammenzustellen –, das diese Leidenschaft weiterträgt, die Paolo Duca und Luca Cereda sieben Jahre lang vorgelebt haben. Wenn das gelingt, wird Ambri seine Kultur bewahren und seinen Platz in der höchsten Liga behaupten. Wenn Lars Weibel das nicht gelingt, ist Ambris Existenz in der National League in höchster Gefahr. Sicher ist bereits: Patrick Fischer wird nicht Ambri-Trainer.
Die Berufung eines so bekannten und im Auftreten eloquenten neuen Sportdirektors ist kurzfristig ein genialer Schachzug des schlauen Politikers Filippo Lombardi. Am 8. Februar wird sich im Rahmen der Aktionärsversammlung weisen, ob er Präsident bleiben kann. Lars Weibel ist also sein wichtigster «Wahlhelfer».
Der Wechsel auf den 1. Juni ist zu spät angesetzt. Ambri braucht per sofort einen Steuermann auf dem sportlichen Deck. Das Olympische Turnier und die Heim-WM sind längst aufgegleist, es geht dort auch ohne Lars Weibel. Und ohnehin steht der perfekte Nachfolger bereit: Paolo Duca.
Ambri steht vor stürmischen Zeiten und es ist nicht sicher, ob Lars Weibel der Leitwolf in diesen stürmischen Zeiten sein kann. Hingegen hat Verbandspräsident Urs Kessler die Chance, jetzt die Sportabteilung nachhaltig zu formen: Paolo Duca als Sportdirektor, Jan Cadieux als Nationaltrainer (ist offiziell schon bestätigt) und Luca Cereda als U20-Nationalcoach. Paolo Duca ist mindestens so eng mit Jan Cadieux verbunden wie Lars Weibel mit Patrick Fischer: Er hat dem neuen Nationaltrainer einst bei den Ticino Rockets den ersten Job als Profitrainer beschafft.
Je früher Verbandspräsident Urs Kessler den Wechsel orchestriert, desto besser. Bis zum 1. Juni ist Lars Weibel beim Verband nur noch eine «Lame Duck» und Ambri kann es sich eigentlich gar nicht leisten, den Posten des Sportdirektors erst ab dem, 1. Juni zu besetzen.
Eine «Viererbande» mit Urs Kessler (Präsident), Paolo Duca (Sportdirektor), Jan Cadieux (Nationaltrainer) und Luca Cereda (U 20-Nationalcoach) kann die perfekte und langfristig stabile Lösung sein: Die vier ähneln sich in einem ganz entscheidenden Bereich: Sie haben ihre Jobs schon immer mit Leidenschaft gelebt und nicht einfach bloss gemacht.
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